Berliner Weihnachtsmarkt – Spurensuche mit Google [UPDATE 21.12.17]

von / / Google

Nach dem schrecklichen Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Berlin, lassen sich – einen Tag später – die digitalen Spuren der Tat bei Google erkennen. Mittels Google Trends lassen sich bis zu 7 Tage rückwirkend recht detaillierte Informationen zu beliebigen Suchvolumina finden. Diese wollen wir uns im Folgenden einmal ansehen.

Am 19.12.2016 gegen 20:07 Uhr fuhr der entführte LKW einer polnischen Spedition mitten in eine Menschenmenge auf dem Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche in Berlin. Dabei starben mehrere Personen, viele wurden schwer verletzt. Die Ermittlungen sind zum aktuellen Zeitpunkt noch in vollem Gange, die Drahtzieher noch nicht gefasst. Da uns Google aber für einen kurzen Zeitraum möglicherweise klärende Informationen liefern kann, wollen wir bereits jetzt, kurz nach der Tat, einmal prüfen, ob und welche Spuren wir finden können.

Anschlagsmeldung

Nur wenige Augenblicke nach dem Anschlag steigt die Suche nach „lkw unfall“ deutlich an. Etwa eine halbe Stunde später scheint sich der Verdacht zu erhärten, dass es sich hier um einen Terroranschlag handeln könnte.

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Verbreitung interner Informationen

Auch der Name der Spedition, bzw. des Geschäftsführers macht schnell die Runde – in Deutschland ebenso, wie in Polen.

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Mögliche Signaturen

Betrachten wir uns einmal die Suchanfragen, die sich konkret auf das Anschlagsziel beziehen. Die folgende Abbildung zeigt, dass mit der Meldung zum Anschlag vermehrt nach „breitscheidplatz map“ gesucht wurde. Diese englische Anfrage nach der Gebietskarte, um diese über Google Maps aufzurufen, wird bereits am 16.12.2016 gegen 22 Uhr abgesetzt.

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Sollten diese Daten von Google korrekt sein, wäre ein kausaler Zusammenhang – eine Planung von Deutschland aus, die noch 3 Tage zuvor anhielt – denkbar, aber nicht bewiesen. Eine vergleichbare Anfrage findet man mit „breitscheidplatz karte“ ebenfalls für den 17.12.2016 um 18 Uhr.

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Und auch kurz vor dem Anschlag gegen 19:16 Uhr lässt sich für „breitscheidplatz berlin weihnachtsmarkt“ ein ähnlicher Fund sichten.

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Und hier nochmals über „weihnachtsmarkt breitscheidplatz plan“:

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In Berlin wurde vor dem Attentat auch nach „standplan“ gefahndet:

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Und auch das Suchvolumen für „weihnachtsmarkt plan“ steigt einen Tag vor der Tat höher als sonst:

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Geografische Situation

Laut Medienberichten kam der LKW aus westlicher Richtung. Der Fahrtenschreiber protokollierte eine Fahrt, die etwa 25 bis 30 Minuten dauerte. In dieser Zeit – auch das lässt sich mit Google nachvollziehen – lassen sich in etwa 7 bis 10 Straßenkilometer zurücklegen. Gehen wir weiter davon aus, dass der Attentäter eine leicht zu bewältigende Route präferierte, könnte bspw. die folgende Strecke zurückgelegt worden sein. Die hier angegebene Adresse dient lediglich der beispielhaften Veranschaulichung der Länge der Fahrt.

Fahndung

Kurz nach Bekanntgabe des Namens des mutmaßlichen Täters werden ebenso assoziierte Suchanfragen formuliert:

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Fazit

Google liefert für die vergangenen 7 Tage deutlich genauere Daten, als für größere Zeiträume. Ob das Gebiet um die Gedächtniskirche im Vorfeld tatsächlich über Google untersucht, oder gar ausspioniert wurde, lässt sich nicht mit Gewissheit sagen, scheint aber wahrscheinlich. Sollten die entsprechenden Suchanfragen tatsächlich der Vorbereitung dieser Tat zugeordnet werden können, so scheint es jedoch denkbar, dass diese nicht nur von einer Person geplant wurde. Eine einmalige Suchanfrage reicht nicht aus, um von Google Trends berücksichtigt zu werden – es müssen mehrfach Suchanfragen abgesetzt werden. Auch die Suche in unterschiedlichen Sprachen könnte auf mehrere Täter hinweisen. Die nächsten Tage werden hier hoffentlich mehr Klarheit bringen …

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